Gasthaus 1873-heute

Die Geschichte des Gasthauses

Neuwirt

des ehemaligen Ehebad / Neuwirt

Die Geschichte zum Gasthaus Neuwirt

 

Erfahren Sie mehr zur 125 jährigen Geschichte als Pidinger Gaststätte, über Eigentümer, Pächter und Ereignisse.

Das Gastgewerbe "zum unteren Wirt" und "Neuwirt"

 

 

Der Neuwirt in den 1990er Jahren.

 

 

 

 

 

Der Neuwirt in den 1990er Jahren.

 

 

 

 

 

 

Am 13. Juni 1855 ersteigerte der Wirt (vom heutigen Altwirt) Mathias Münzer das Baderanwesen um 1501 fl. Chirurg Nepomuk Huber pachtete das Anwesen. Anschließend war der Chirurg Steingasser Bewohner. Steingasser kaufte dieses Haus um 2600 fl. von Münzer am 18. Mai 1859. Bis da hin immer noch als Badehaus genutzt.

Chirurg Steingasser verkaufte das Ehebad bereits 1873 weiter an Michael Starzer, „jetzt genannt zum untern Wirt“. 1875 kaufte es Otto Schrödl aus Eggenfelden.

Anschließend Eigentum der Brauerei Wieninger aus Teisendorf, im Laufe der Zeit "Neuwirt" genannt.

? bis 15.02.1904, Matthias Münzer † 12.02.1904, (Eigentümer Altwirt, zusätzlich Neuwirt - allerdings jetzt als Pächter)

15.02.1904 bis ?, Kajetan Strasser (vermutl. derselb. Eigentümer vom „Dumperl“ Schusterhaus Schöndorfer, mit Ehefrau Elisabeth Niedermüller aus Siezenheim.)

1939 bis 1953, Dora und Sebastian Paar (Paar Wasti)

Dora und Sebastian Paar baute 1948 bis 1950 das Nebenzimmer im Gastraum, sowie ohne Unterstützung der Brauerei einen Nebenraum der Küche.

Bis 1949 gab es je ein kleines und ein großes Loch auf der Damen-, sowie ein großes Plumpsloch auf der Herren-Toilette.

Die erste wassergespülte Toilettenanlage wurde 1950 eingebaut.

15.03.1953 bis 1964, Ernestina und Matthäus Koch (Neiwirt´s Hias)

1954 wurde der Neuwirt vom verheerenden Hochwasser heimgesucht. Der Keller (diente fast komplett als Sägespänebunker für die Heizung) wurde komplett überflutet. Auf ca. 15 cm konnte das Wasser allerdings nicht in die Gastwirtschaft im Hochparterre vordringen.

 

Erna Koch (rechts) mit ihren Angestellten beim Knödel knödeln

 

Hinten der Nebenraum der Küche in den 1950ern

 

 

 

Erna Koch (rechts) mit

ihren Angestellten

beim Knödel knödeln

 

Hinten der Nebenraum der

Küche in den 1950ern

 

 

Ernestina und Matthäus Koch bauten 1958 zusätzlich den Keller zur vollständigen Metzgerei aus. Im Keller befinden sich eine große Getränke-, sowie eine separate kleinere Fleischkühlung. Die Fleischerei war komplett gefliest und mit Fettabscheidern versehen.

 

Vordere Gastraum  in den 1950ern

 

 

 

Erna Koch (mitte) mit zwei ihrer Söhne, sowie dem Personal vor der Haustüre

 

 

 

 

 

 

Vorderer Gastraum in den 1950ern

 

 

Erna Koch (Mitte) mit zwei ihrer Söhne, sowie dem Personal vor der Haustüre

 

 

1964 bis 1965, Hr. Michl (Zugezogener, im Anschluß verzogen nach Kochl am See)

13.12.1965 bis 01.07.1969, Heinrich Bauregger (im Anschluß und heute „Stabach-Wirt“ in Weißbach an der Alpenstraße)

Ende der 1960er Jahre wurde im Zuge des Anschlusses an die Kläranlage über dem Toilettenanbau ein Obergeschoss mit Dachstuhl drauf gebaut. Im Obergeschoss befinden sich seither die Sanitäranlagen der Pächterwohnung.

1969 bis 1976, Erwin Riedl (ehemaliger Flüchtling vom Pidinger Lager, verzogen nach Mitterfelden.)

1976 bis 1977, Hr. Bohn („Bohnei“, gleichzeitiger Pächter vom „Altwirt“. Der Neuwirt jetzt genannt „Wieninger Faßl“.)

01.10.1977 bis 30.11.1978, Katharina und Heinrich Waldsteiner (Jetzt wieder „Neuwirt“, plötzlich verzogen.)

01.04.1979 bis 30.10.1985, Hildegard und Anton Kirmeier

 

 

1986 bis Mitte 1986, Alexander Schmid mit Fr. Schmalhofer (wegen diverser Umstände wurde die Gaststätte nicht geöffnet.)

07.08.1987 bis 31.01.1990, Johannes Trinkl mit Mutter Lisi

05.05.1990 bis 15.02.1991, Martin Baur mit Freund

05.04.1991 bis 24.02.1999, Johann Bernecker mit Gattin

Die Selche im Keller war Ende der 1990er Jahre bei Johann Bernecker einem Schwelbrand zum Opfer gefallen. Daraufhin Abtragung der selbigen.

Seit März 1999 Leerstand.

Im Dezember 2007 verkaufte Wieninger den „Neuwirt“ an Familie Schweikart.

Das mittlerweile sehr altersschwache Haus wurde Grundsaniert, und wird seit 26.09.2009 - nach 10 Jahre langen Leerstand - als Wohngebäude genutzt.

 

Vereinswirt vom Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Verein „GTEV Staufenecker Piding e.V.“

 

Der Neuwirt war unter anderem Vereinslokal des Pidinger Trachtenvereins. Jahrzehnte lang fanden dort Versammlungen statt, ebenso wie diverse Feiern, Festabende und Trachtenkranzl / Faschingsbälle. Nachdem der Trachtenverein ein eigenes großes Trachtenheim beziehen konnte, und im Laufe der Zeit gewisse Wirtspächter nicht gerade die Vorstellungen des Pidinger Vereins erfüllten, wurde u.a. der Charakter des Vereinswirts vom Trachtenverein aufgelöst.

 

Mich tritt´n Pferd „im Neuwirt“

 

In den 80er Jahren ließ sich Johann Koch nicht die Wette nehmen, in die Gaststätte passt niemals ein Pferd.

So machte er sich gleich auf, und führte sein Ross durch den Hintereingang, über den Flur, bis in den Gastraum Das Erlebnis blieb jedoch nicht ohne Folgen. Eine Touristin die besonders dicht an das Pferd gelangen wollte, wurde daraufhin vom Huf auf den Fuß getreten. Als sie im Krankenhaus ihren Fuß untersuchen ließ, und den Unfallhergang damit schilderte, ihr sei in der Neuwirts- Gaststube ein Pferd auf den Fuß getreten, kann man sich den Unglaubwürdigen Blick des behandelnden Arztes gut vorstellen.

 

Die Einheimischen machten es den „Wirtsleuten nicht immer einfach“

 

So konnte es schon mal vorkommen, dass dem Wirt etwas Schlimmes vor dem Gasthaus erzählt wurde. Er machte sich sogleich vor das Haus, und wunderte sich das er nichts vorfand. Als er zurück in sein eigenes Wirtshaus wollte, musste er mit unmissverständlich feststellen, wieder einmal einen Scherz aufgesessen und ausgesperrt zu sein. Die Stammgäste amüsierten sich köstlich, ihren Wirt zuzusehen, wie er um den Neuwirt huschte, und mit Rausschmiss drohte, wobei doch gerade er einem Rausschmiss miterlebte.

 

Als die Wirtin in der Weihnachtszeit im Nebenzimmer den Christbaum bereits geschmückt hat, wurde sie von den ach so lieben Stammgästen abgelenkt und in der Küche hingehalten. Derweil wurde der Baum ausgetauscht, und die Daxenzweige wurden komplett abgeschnitten. Als die Wirten zurück kam, den schäbigen Baumstamm mit dem restlichen Lametta sah, bekam sie fast einen Herzinfarkt. Allerdings auch dieser Scherz löste sich nach einiger Zeit wieder in Wohlgefallen auf.

 

Dies waren nur einige, der unzähligen Ereignisse vom „Pidinger Neuwirt“.

 

Die ungewissen Jahre zur Jahrtausendwende

 

Anfang des Jahres 2000 gab es Überlegungen das Anwesen aus der Denkmalliste zu streichen, weil die Eintragung einem angedachten Abriss im Wege stand.

Die Sanierungsfähigkeit wurde aus finanziellen Gründen bezweifelt.

 

Anschließendes Fazit des Denkmalamtes:

- Baudenkmal, in der Denkmalliste verzeichnet unter („Wohnhaus, erdgeschossiger Mansarddachbau, um Mitte 19. Jh.“) -

 

Das o.g. Gebäude befindet sich im Ortskern unmittelbar an der Brücke über die Ache, in etwa 250 m Entfernung von der Kirche. Der in seiner Hauptschauseite – östliche Traufseite – symmetrisch angelegte Mansarddachbau mit salzburgischem Halbwalmdach an den beiden Giebelseiten zeigt durch deutlichen Maueranzug nachbarocke Bautradition, vermischt mit modischen salzburgischen Einflüssen, die nach 1800 auch im Rupertiwinkel Einzug hielten. Der erdgeschossige Baukörper, der nur an den beiden Halbwalmseiten auch im Dachbereich voll ausgebaut ist, hat sich seinen traditionellen ortsbildprägenden Akzent in dem noch weitgehend intakten Dorfbild behauptet. Der Bau ist von gravierenden Veränderungen bislang verschont geblieben, lediglich die zwei verschiedenen Dachdeckungen – in der Hauptsache Blech, an den beiden Halbwalmen Schiefer – zeugen von den geschichtlichen Zeitströmungen. An dem Baukörper sind keine nennenswerten baulichen Schäden festzustellen, im Detail ist aber wohl auch keine nennenswerte konservatorisch zu erhaltende bzw. zu behandelnde Substanz vorhanden, da die gesamte, durchaus angemessen gestaltete, Befensterung bereits wohl vollständig aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stammen dürfte.

 

Der eher bescheidene Bau erhebt sich eingeschossig über einem auch nach Anhebung des Straßenniveaus noch auffällig hohen Kellergeschoß, ist traufseitig erschlossen durch einen über eine kleine zweiläufige Freitreppe erreichbaren Eingang in der Mittelachse und besitzt ein an den beiden Schmalseiten abgewalmtes Mansarddach. Trotz seiner gedrungenen Kubatur hebt sich der Bau von der übrigen Ortsbebauung deutlich ab und setzt durch seine Randlage am südwestlichen Ende der Ortsstraße, unmittelbar an der Achenbrücke, auch einen städtebaulichen Akzent.

 

Die erst um 1998 aufgegebene Nutzung als Gasthaus (zuletzt „Neuwirt“, im zum Gegensatz stattlicheren, zentral gelegenen Gasthof „Altwirt“) ist eine sekundäre. Der alte Hausname „Bader“ oder „Chyrurg“ verweist auf die ursprüngliche Nutzung als Baderanwesen, die lt. Heimatbuch bis um 1600 zurückzuverfolgen ist und bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand. Noch 1859 wird das „Paderhandwerk“ in diesem Anwesen ausgeübt, 1873 ist erstmals als Gasthaus („Zum Untern Wirt“) genannt.

Der Baukern des Hauses, zumindest der Keller (in einem Raum mit einer Längstonne überwölbt), dürfte noch auf die genannte ältere Phase (17./18. Jh.) zurückgehen, während Erdgeschoß und Dachwerk im frühen / mittleren 19. Jahrhundert erneuert bzw. neu errichtet worden sind. Genauere Datierungsmerkmale lassen sich aus dem Gebäudeinneren nicht mehr gewinnen, da die heutige Raumstruktur des Erdgeschosses (mit neu eingebrachtem Decken-Unterzug zur Verbindung von Hauptraum und Nebenzimmer) durch einen Gaststätten-Umbau der 1940er Jahre entstand und das Dachgeschoß in der Folge als Pächterwohnung ausgebaut wurde.

 

Trotz der im Inneren reduzierten Substanz prägt das Gebäude noch immer die historische Ortsgestalt. Aufgrund der vom 17. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts reichenden Tradition als Baderanwesen ist es zugleich ein Dokument der Ortsgeschichte: Zusammen mit den Schmieden, Mühlen und Tavernen gehörten auch die Badstuben zum Grundeigentum des Landesherrn, der auch über die personelle Besetzung verfügte. Da das „Paderhandwerk“ sich im 17./18. Jahrhundert auch auf die niedere Heilkunde und auf „chirurgische Verrichtungen“ erstreckte, ist mit dem Gebäude ein Element der historischen Dorfausstattung (als eine frühe Form von öffentlicher Gesundheitspflege) anschaulich geblieben.

 

Aufgrund der genannten Faktoren ist dem Anwesen Berchtesgadener Straße 16 nach wie vor Denkmalcharakter gemäß Art. 1 DSchG zuzumessen, eine Streichung des bisherigen Listeneintrags ist folglich nicht gerechtfertigt.

 

 

Alternative Generalsanierung zum Wohnhaus

 

Das Gebäude im Jahre 2007, vor der Generalsarnierung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gebäude im Jahre 2007, vor der Generalsanierung

 

Ende 2007 verkaufte Wieninger den „Neuwirt“ an Familie Schweikart. Das mittlerweile sehr altersschwache Haus wurde allein in Eigenhand saniert, und wurde nach 10 Jahre langen Leerstand feierlich im Herbst 2009 bezogen.

Seither Eigenheim der Familie Schweikart.

 

Wir kauften das historische Gebäude und steckten viel Eigenarbeit in unsere Lebensaufgabe. Nicht nur, dass das Gebäude mitunter noch lange der Bank gehören wird, sondern auch bis zur endgültigen Fertigstellung werden noch mindestens über 10 Jahre vergehen.

 

Mit etwas Esoterik zum Ziel

 

Wahrscheinlich war es sogar Bestimmung, dass wir auf unser Häuschen gekommen sind.

Am Pidinger Mittelaltermarkt am Schloß Staufeneck wirkte vor einigen Jahren die Pidinger Theatergruppe mit.

Sie spielte ein Stück von mittelalterlicher Geschichte des (Land-)Kreises.

Ich spielte rein zufällig den "Dominicus Renner".

Adam Renner hatte im Pidinger Ehepad das „Paderhandwerk“ inne, und scheint es verstanden zu haben. Der schreckliche „Zauberprozeß“, in dem sein 18 jähriger Bruder "Dominicus" verwickelt, nach unsagbarer „peinlicher Tortur“ angeklagt und am 30. April 1678 hingerichtet wurde, hatte offensichtlich dem „Padereibetrieb“ nicht geschadet........ (S. Buch Schloß Staufeneck S. 155 f)

Des Weiteren hatten wir am 26.09.2009 unsere kirchliche Hochzeitszeremonie, und wir wurden unter feierlichen Klängen der Musikkapelle in unser Eigenheim nachhause gespielt, wo wir frisch eingezogen sind.

Erst ein paar Monate später fanden wir heraus, dass der 26.09. auch als Gedenktag der Schutzpatrone "Cosmas und Damian", Patrone der Bader, Apotheker, Ammen und Ärzte gefeiert wird. (siehe unter Badehaus, weiter oben erklärt)

Meine Frau ist in der Apotheke tätig, auch ein von Cosmas und Damian beschützender Beruf.

Und zu guter Letzt arbeite ich im Rettungsdienst. Dieser entstand aus dem Sanitätswesen, eine Berufsart die aus dem Baderhandwerk folgte.

Diese Tatsachen sind eventuelle Vorbestimmungen, andernfalls reine Zufälle? So oder so sind es sehr angenehme wissenswerte Gegebenheiten die wir keinesfalls missen möchten.

 

Mittlerweile sind wir eine große Familie und unser liebgewonnenes Häuschen wird seither ganz schön beansprucht.

 

 

Das Gebäude im Jahre 2014, nach der Sanierung (aber immer noch nicht komplett fertig)

 

Das Gebäude im Jahre 2014, nach der Sanierung (aber immer noch nicht komplett fertig)