Badehaus 1600-1873

Wissenswertes aus dem Beruf des

Bader und dem Pidinger Badehaus

des ehemaligen Ehebad / Neuwirt

Die Geschichte zum Pidinger Badehaus

 

Hier bekommen Sie Info´s zum allgemeinen Bader-Handwerk, sowie dem Pidinger "Ehebad".

Bader

Der Bader ist eine alte Berufsbezeichnung für den Betreiber einer Badestube. Der Beruf ist seit dem Mittelalter bekannt. Sie waren die „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den meist klerikalen, studierten Ärzten leisten konnten. Sie übten einen hoch geachteten, obgleich nicht wissenschaftlichen Heilberuf aus. Er umfasste das Badewesen, Körperpflege und Kosmetik, Teilgebiete der Chirurgie, der Zahn- und Augenheilkunde. Neben dem Bader, auch Stübner genannt, arbeitete oft ein Scherer oder Barbier im Badehaus, der für das Haareschneiden und Bartscheren zuständig war. Aus diesen Berufen entwickelte sich der Berufsstand der Handwerkschirurgen, später Wundarzt genannt.

 

Stellung und Rechte

 

Die soziale Stellung der Bader wandelte sich mit der Zeit. Da sie Kranke, Verwundete und Pflegebedürftige berührten, gehörten sie mancherorts zu den so genannten „unehrlichen“ Berufen, die sich in keiner Zunft organisieren durften. In manchen Regionen und Städten wurden sie jedoch später in die Zünfte aufgenommen, etwa in Augsburg und Würzburg 1373, in Hamburg 1375 und besonders im südlichen Teil des Heiligen Römischen Reichs wurden sie geschätzte Mitglieder des Bürgertums. So durchliefen Bader etwa in Wien, wo sich die Zunft der Bader bis an den Beginn des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt, eine handwerkliche Lehre und bildeten einen Stand. Die Laufbahn vom Gesellen zum Meister war explizit geregelt. Die Lehre bei einem Meister dauerte drei Jahre. Danach war eine dreijährige Wanderschaft und Ausübung des Gewerbes bei anderen Meistern gefordert. Erst nach Ablegung einer recht kostspieligen Meisterprüfung und eines Examens an der Wiener Medizinischen Fakultät war dem Bader dann die selbständige Berufsausübung erlaubt. 1548 erhielt diese Berufsgruppe im Heiligen Römischen Reich dann allgemein Zunftrechte. Neben den wenigen studierten Ärzten bildeten im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit die Bader, Barbiere, Scherer, Wundärzte und Hebammen den Hauptanteil der Heilpersonen, vor allem der armen Bevölkerung in Stadt und Land. Das preußische Sanitätswesen entwickelte sich aus dem deutschen ‚Scherer- und Badertum’.

 

 

Szene in einem Badehaus: Bader behandelt Badegäste. Stich von Jost Amman, 1568

 

 

 

 

 

Szene in einem Badehaus: Bader behandelt

Badegäste. Stich von Jost Amman, 1568

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Zahnziehen" (Gemälde von Johann Liss, 17. Jahrhundert, Museum der Bildenden Künste, Budapest) nach einem Kupferstich von Lucas van Leyden, 1523

 

 

Zahnziehen" (Gemälde von Johann Liss, 17. Jahrhundert,

Museum der Bildenden Künste, Budapest) nach einem

Kupferstich von Lucas van Leyden, 1523

 

 

 

 

 

 

 

 

Da den häufig theologisch vorgebildeten Ärzten von der Kirche seit dem Konzil von Tours (1163) die Berührung mit Blut untersagt war, betrieb der Bader neben dem Badehaus die „kleine Chirurgie“, das heißt er durfte kleine Wunden versorgen und Brüche richten. So oblag den Badern zum Beispiel das Aufschneiden und Ausbrennen der äußerst schmerzhaften Pestbeulen. Eine Hauptaufgabe der Bader bestand in dem als Allheilmittel gepriesenen Aderlass und im Schröpfen. Hintergrund dieser Therapie ist die antike Lehre der Körpersäfte. Krankheit war ein äußeres Zeichen der in Unordnung geratenen Körpersäfte und nur durch Blutentzug und Wiederherstellung des Säftegleichgewichts zu heilen. Ferner zogen sie Zähne und verabreichten Klistiere. Da die Aufgaben der Bader, Wundärzte, Scherer oder Barbiere sich überschnitten, kam es häufig zu Streitigkeiten, bis die Berufsstände grundsätzlich getrennt wurden.

Zum weiteren Personal der Badestube gehörten neben dem Scherer oder Barbier und den Auszubildenden weitere historische Berufe. So gab es den Reiber, der die Badegäste trocknete und den Wasserzieher, der das Wasser für das Bad aus dem Brunnen zog. Der Bader hatte mancherorts das Privileg, Esel (zum Transport der Wasserkrüge) im Stadtgebiet zu halten. Als medizinische Hilfskräfte gab es die Lasser (auch Lassner, Lässer, Lassmann, Later), die die Patienten zur Ader ließen sowie die Spezialisten der Schröpfköpfe, deren Nachfahren Schrepper (auch Schrepfer, Schreppel, Schräpler, Schrepfermann) heißen. Beim Betrieb des Badehauses halfen häufig Badeknechte und Bademägde. Im Badehaus ging es oft nicht nur um die Körperpflege und Hygiene, sondern auch um das Vergnügen beim Baden. Badehäuser waren soziale Treffpunkte. Es wurden Speisen gereicht und Geschichten ausgetauscht. Mitunter waren sie Heiratsvermittler oder Bordelle, die teilweise schlechten hygienischen Zustände führten zur Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten.

 

Weitere Entwicklung

 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden viele Badstuben durch Verordnung der Landesherren oder Städte geschlossen. Dadurch wandelte sich das Berufsbild erneut, da die weiter tätigen Bader nun wie Barbiere und andere Berufe ihre Tätigkeit im Freien oder „fahrend“ ausübten. Durch die im 18. Jahrhundert stärker einsetzende Errichtung von Krankenhäusern auch für Nichtreiche oder gar Bedürftige ging die Bedeutung der Bader im Bereich Heilkunde zurück, die wissenschaftlich ausgebildeten Universitätsärzte übernahmen einen immer größeren Teil dessen, was früher überwiegend Badern vorbehalten war. In Preußen wurde das Sanitätswesen dagegen aus dem Baderwesen heraus entwickelt und damit professionalisiert. Zu diesem Zweck werden spezielle Ausbildungseinrichtungen gegründet, etwa 1710 die Charité in Berlin. Auch andernorts ergaben sich Wechselbeziehungen oder sich ergänzende Tätigkeiten. In manchen Gemeinden standen sich Badhaus und Krankenhaus zeitweise räumlich und arbeitsteilig gegenüber. Der Beruf des Baders wurde in Deutschland bis in die 1950er Jahre ausgeübt und war gesetzlich geregelt. Heute werden Teile des Arbeitsspektrums der ehemaligen Bader von verschiedenen Berufen (mit-)übernommen, etwa von Physiotherapeuten, Masseuren, Maniküren, Kosmetikern oder Heilpraktikern.

 

Schutzpatrone

 

Die Heiligen Zwillingsbrüder Cosmas und Damian sind, aufgrund ihres Arztberufs unter anderem auch Schutzpatrone der Bader.

 

 

Badehaus

 

Ein Badehaus (auch Badhaus, Badestube oder Stoben) war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit ein öffentliches Bad, das im Auftrag der Gemeinde von einem Bader betrieben wurde. Es spielte etwa vom 13. bis zur Mitte des 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle in der Alltagskultur. Es diente nicht nur zur Körperpflege und der Behandlung von Krankheiten, sondern war auch ein beliebter gesellschaftlicher Treffpunkt. Gebadet wurde - mit oder ohne Geschlechtertrennung - meist am Samstag oder am Vorabend hoher Feiertage. In den Badehäusern, die heutigen Hygienevorstellungen bei weitem nicht entsprachen, wurden auch Tätigkeiten wie Zähneziehen, Haarschneiden, Rasur sowie kleinere chirurgische Eingriffe (Aderlass, Schröpfen) ausgeführt. Teilweise wurden in Badehäusern auch Bordelle betrieben.

 

Szene aus einem Badehaus. (Abbildung aus dem Factorum Dictorumque Memorabilium des Valerius Maximus, 15. Jahrhundert)

 

 

 

 

 

 

 

Szene aus einem Badehaus. (Abbildung aus dem

Factorum Dictorumque Memorabilium des

Valerius Maximus, 15. Jahrhundert)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschichte

 

Die Blütezeit der Badehäuser in Mitteleuropa war das Spätmittelalter. Im 15. Jahrhundert wurde das Holz allmählich knapp, was zu einer Preissteigerung führte und das Baden verteuerte, so dass die Leute seltener kamen. Der Niedergang der Badekultur wurde aber entscheidend durch das Auftreten von Seuchen wie Pest und Syphilis eingeleitet. In Wien wurden die Badehäuser in den Jahren 1521, 1554, 1562 und 1691 zeitweise wegen Seuchengefahr geschlossen. Die ersten Syphilisfälle in Deutschland wurden 1495 gemeldet, eingeschleppt von Landsknechten. Tatsächlich wurde die Krankheit in den Badestuben verbreitet, aber nicht durch das Baden selbst, sondern durch die fehlende Hygiene beim Aderlassen und Schröpfen. Das war damals jedoch nicht bekannt. Auch der Dreißigjährige Krieg führte zur Schließung von Badehäusern, vor allem in den protestantischen Gegenden Südwestdeutschlands.

Im Mittelalter gab es in Wien 21 Badestuben, im Jahr 1534 noch elf, zu Anfang des 18. Jahrhunderts nur noch sieben. In Frankfurt am Main werden im Mittelalter rund 15 Badehäuser betrieben, das Bürgerverzeichnis aus dem Jahr 1387 nennt 29 Bader (inklusive Gesellen). 1555 waren dort nur noch zwei Badestuben in Betrieb, und das auch nur noch zweimal pro Woche. 1809 wurde hier das letzte Bad dieser Art geschlossen.

Kupferstich des Inneren eines Badehauses von Virgil Solis, 16. Jahrhundert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kupferstich des Inneren eines Badehauses von Virgil Solis, 16. Jahrhundert

 

 

 

 

 

 

 

 

In Zedlers Universallexikon von 1733 wird eine öffentliche Badestube beschrieben:

 

"Es siehet aber eine Badstube also aus: Es ist nemlich ein niedriges Gemach, an dessen einem Ende ein Ofen, neben diesem Ofen aber ein Kessel mit heißen, und ein Kübel mit kalten Wasser ist, daraus man schöpffen, und wie man es brauchen will, die Wärme mäßigen kann. An denen Wänden sind Bäncke vor und über einander, darauf man sich höher oder niedriger setzen kann, nachdem man starck oder gelinde zu schwitzen verlanget, und diese werden die Schwitz-Bäncke genennet. Diejenigen, welche naß baden wollen, setzen sich in eine Bade-Wanne, die mit Wasser angefüllt ist." Laut Zedlers Lexikon waren zu dieser Zeit die Badehäuser in Polen, Russland, Litauen und Skandinavien nach wie vor sehr verbreitet, in Mitteleuropa dagegen kaum noch.

 

Für die öffentlichen Badstuben, in denen nach Geschlechtern getrennt gebadet wurden, erließen die Herrschaften oder die Gemeinden als Betreiber Badeordnungen. Darin waren die Pflichten des Baders und seines Personals sowie das Verhalten der Badegäste geregelt. Da in den meisten Badstuben nach Geschlechtern getrennt gebadet wurde - Badebordelle gab es nur in den einschlägigen Vierteln größerer Städte -, enthielten die Badeordnungen auch Vorschriften über "züchtiges" Verhalten.

 

Im 19. Jahrhundert und auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden viele Badehäuser eingerichtet als Maßnahme der öffentlichen Hygiene in Großstädten (wie beispielsweise das Schwimmbad in Berlin-Charlottenburg). Die meisten Arbeiterfamilien hatten in dieser Zeit kein eigenes Badezimmer. Badehäuser entstanden auch in vielen Kurorten. Heute sind nur wenige Badehäuser im ursprünglichen Zustand erhalten.

 

(Badbrunnen)

 

Ein Badbrunnen ist ein Brunnen in unmittelbarer Nähe eines Badehauses.

 

Es ist ein überwiegend im süddeutschen Raum gebrauchter Begriff für die Quellfassung des öffentlichen,

von einem Bader betriebenen Bades, im Gegensatz zu anderen Brunnen wie z. B. Kirchbrunnen oder Gemeindebrunnen.

 

Badbrunnen ist heute noch bisweilen eine Ortsbezeichnung, oft ohne Wasserquelle

 

In Piding dürfte es allerdings keinen Badbrunnen gegeben haben, da die Ache, auch zu damaliger Zeit ein kleines aber

ausreichendes Rinnsal direkt am Baderanwesen vorbeiführte.

 

 

Cosmas und Damian Schutzpatrone der Apotheker und Bader

 

Die Zwillingsbrüder Cosmas und Damian (beide * in Syrien, † 303 in Aigai in Kilikien in der heutigen Türkei) waren Ärzte und Märtyrer, die Kranke unentgeltlich behandelten und viele von diesen so zum Christentum bekehrten. Sie werden als Heilige verehrt. Ihr Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 26. September.

 

Bedeutung

 

Wegen ihres umfangreichen und selbstlosen Wirkens werden sie noch heute verehrt. Der Legende zufolge gelang ihnen sogar eine Beintransplantation, nämlich der Ersatz eines verfaulten Beines durch das eines verstorbenen Mohren.

 

Der Legende nach haben sie alle Versuche des römischen Präfekten, sie bei der Christenverfolgung zu ertränken, zu verbrennen sowie mit Steinen und Pfeilen zu töten, unversehrt überlebt, und erlitten erst in der darauf folgenden Enthauptung das Martyrium.

 

Reliquien

 

Cosmas und Damian sind Stadtpatrone sowohl von Florenz als auch von Essen, wo einige ihrer Reliquien liegen. Das im Essener Domschatz gezeigte Richtschwert der Heiligen in einer prunkvollen goldbeschlagenen Scheide stammt allerdings aus ottonischer Zeit.

 

An Ostern 1334 hatte Burchard Grelle, Fürsterzbischof von Bremen "persönlich im Chor des Bremer Doms die … dort angeblich eingemauerten und vergessenen Reliquien der heiligen Ärzte Cosmas und Damian auf 'wunderbare Weise' wieder aufgefunden. Erzbischof und Kapitel veranstalteten aus diesem Anlass zu Pfingsten 1335 ein Fest, bei dem die Reliquien aus der Mauer an einen würdigeren Platz überführt wurden." Grelle behauptete die von ihm vorgewiesenen Gebeine seien von Erzbischof Adaldag von Hamburg-Bremen 965 aus Rom mitgebracht worden. Dombauherr Johann Hemeling gab um 1400 für die Gebeine einen Schrein in Auftrag, der nach 1420 fertig gestellt wurde. Der Schrein aus mit vergoldeten Silberblechen überzogenem geschnitzten Eichenholz ist ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Goldschmiedekunst. Bremens lutherisches Domkapitel verkaufte den Schrein mit den vermeintlichen Reliquien 1649 an die Jesuiten nach München, wo er heute in der kath. Kirche St. Michael zu sehen ist.

 

Patronate

 

Die Heiligen sind Schutzpatrone der Städte Essen, Florenz, Bödefeld, Gau-Algesheim, von medizinischen Fakultäten, einer Vielzahl medizinischer Berufe (z. B. Bader, Ammen, Ärzte, Apotheker) sowie der Kranken, Friseure und Zuckerbäcker. Sie werden in Seenot, bei Geschwüren, Pest und Pferdekrankheiten angerufen.

 

Attribute

 

Zu den Attributen der Heiligen zählen medizinische Instrumente und Arzneimittelbehälter.

 

Das Beinwunder in einem Altarbild aus dem 16. Jahrhundert. Landesmuseum Württemberg

Gedenktag

 

Der Gedenktag der beiden Heiligen fällt auf den 26. September.

 

Bauernregel

 

Die dem Namenstag entsprechende Bauernregel lautet:

 

St. Kosmas und St. Damian fängt das Laub zu färben an.

 

 

 

 

Das Beinwunder in einem Altarbild aus dem

16. Jahrhundert. Landesmuseum Württemberg

 

 

 

 

 

 

 

Quelle, Link von www.Wikipedia.de, bitte klicken Sie hier: Bader , bzw. Badestube

 

 

 

Das Pidinger "Ehebad","Chirurg", oder "Bader"

 

Das Baderanwesen wurde noch um 1840 „beim Chirurgen“ genannt. Im Mittelalter bis in neuere Zeit hatte jedes Dorf einen Bader mit Bad. Der Badebetrieb war ein öffentliches Amt und wurde von der Hofkammer in Salzburg vergeben, deswegen "Ehe"-Bad. Die Badstube, sowie Mühlen, und Schmieden waren ehehafte Orte, weil Sie unter besonderen Rechtschutz standen. Ehehaft bedeutet Gottes Recht, Gesetz, kommt vom althochdeutschen ewe = Gesetz, Ehehaft = rechtmäßig. Ewa erinnert lautlich als auch inhaltlich ans lateinische <<aevum>> (Ewigkeit).

Der Bader musste medizinische und chirurgische Kenntnisse haben. Welche Probleme aber es mit den Badern gab, schildert der letzte Pfleger von Staufeneck im Jahr 1800. Kam es doch vor, dass einer Chirurg wurde, der „kaum zu einem Badergesellen Geschick hatte“. Deshalb „lauerte er uns seine Gerichtsbeamten besonders auf die Quacksalber und Saalbader damit die Menschheit nicht durch unbelehrbare Leute zu Grabe befördert wird“. (S. buch Schloß Staufeneck S. 439 f) Im „Ehepad mit Haus und Stallung“ wirkte bereits um 1600 Gabriel Seidl. Zum damaligen „Wirt zu Piding“ dem heutigen Altwirt gehörte damals auch das „Ehebad“. Er hatte es 1619 wieder renovieren lassen und verkaufte im Jahr 1620 „sein inngehabtes und neuerpautes Ehebad daselbst mit allen rechtlichen Zugehörigkeiten, an Gabriel Seidl, Baders alda und an dessen Ehewirtin Barbara Heinzlin um 130 fl.“ Seit dem Jahre 1675 hat sein Nachkomme Adam Renner das „Paderhandwerk“ inne, und scheint es verstanden zu haben. Der schreckliche „Zauberprozeß“, in dem sein 18 jähriger Bruder Dominicus verwickelt, nach unsagbarer „peinlicher Tortur“ angeklagt und am 30. April 1678 hingerichtet wurde, hatte offensichtlich dem „Padereibetrieb“ nicht geschadet. (S. Buch Schloß Staufeneck S. 155 f)

 

Im Jahre 1781 mussten die weiteren Nachkommen das Baderanwesen verkaufen, „weil keiner von den Erben sozusagen das Ehebad zu übernehmen qualifiziert ist und wegen Aufsuchung eines Baders dank Erkaufung derley Gerechtigkeit erst von der hochfürstl. Hofkammer entschieden werden muß“. Das Anwesen wurde des Öfteren in die Hände der Nachkommen übergeben und noch fünfmal verkauft.

 

Am 13. Juni 1855 ersteigerte dann der Wirt (vom heutigen Altwirt) Mathias Münzer das Baderanwesen um 1501 fl. Chirurg Nepomuk Huber pachtete das Anwesen. Anschließend war der Chirurg Steingasser Bewohner. Steingasser kaufte dieses Haus um 2600 fl. von Münzer am 18. Mai 1859. Bis da hin immer noch als Badehaus genutzt.

Chirurg Steingasser verkaufte das Ehebad bereits 1873 weiter an Michael Starzer, „jetzt genannt zum untern Wirt“.

 

 

Die ungewissen Jahre zur Jahrtausendwende

 

Anfang des Jahres 2000 gab es Überlegungen das Anwesen aus der Denkmalliste zu streichen, weil die Eintragung einem angedachten Abriss im Wege stand.

Die Sanierungsfähigkeit wurde aus finanziellen Gründen bezweifelt.

 

Anschließendes Fazit des Denkmalamtes:

- Baudenkmal, in der Denkmalliste verzeichnet unter („Wohnhaus, erdgeschossiger Mansarddachbau, um Mitte 19. Jh.“) -

 

Das o.g. Gebäude befindet sich im Ortskern unmittelbar an der Brücke über die Ache, in etwa 250 m Entfernung von der Kirche. Der in seiner Hauptschauseite – östliche Traufseite – symmetrisch angelegte Mansarddachbau mit salzburgischem Halbwalmdach an den beiden Giebelseiten zeigt durch deutlichen Maueranzug nachbarocke Bautradition, vermischt mit modischen salzburgischen Einflüssen, die nach 1800 auch im Rupertiwinkel Einzug hielten. Der erdgeschossige Baukörper, der nur an den beiden Halbwalmseiten auch im Dachbereich voll ausgebaut ist, hat sich seinen traditionellen ortsbildprägenden Akzent in dem noch weitgehend intakten Dorfbild behauptet. Der Bau ist von gravierenden Veränderungen bislang verschont geblieben, lediglich die zwei verschiedenen Dachdeckungen – in der Hauptsache Blech, an den beiden Halbwalmen Schiefer – zeugen von den geschichtlichen Zeitströmungen. An dem Baukörper sind keine nennenswerten baulichen Schäden festzustellen, im Detail ist aber wohl auch keine nennenswerte konservatorisch zu erhaltende bzw. zu behandelnde Substanz vorhanden, da die gesamte, durchaus angemessen gestaltete, Befensterung bereits wohl vollständig aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stammen dürfte.

 

Der eher bescheidene Bau erhebt sich eingeschossig über einem auch nach Anhebung des Straßenniveaus noch auffällig hohen Kellergeschoß, ist traufseitig erschlossen durch einen über eine kleine zweiläufige Freitreppe erreichbaren Eingang in der Mittelachse und besitzt ein an den beiden Schmalseiten abgewalmtes Mansarddach. Trotz seiner gedrungenen Kubatur hebt sich der Bau von der übrigen Ortsbebauung deutlich ab und setzt durch seine Randlage am südwestlichen Ende der Ortsstraße, unmittelbar an der Achenbrücke, auch einen städtebaulichen Akzent.

 

Die erst um 1998 aufgegebene Nutzung als Gasthaus (zuletzt „Neuwirt“, im zum Gegensatz stattlicheren, zentral gelegenen Gasthof „Altwirt“) ist eine sekundäre. Der alte Hausname „Bader“ oder „Chyrurg“ verweist auf die ursprüngliche Nutzung als Baderanwesen, die lt. Heimatbuch bis um 1600 zurückzuverfolgen ist und bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts bestand. Noch 1859 wird das „Paderhandwerk“ in diesem Anwesen ausgeübt, 1873 ist erstmals als Gasthaus („Zum Untern Wirt“) genannt.

Der Baukern des Hauses, zumindest der Keller (in einem Raum mit einer Längstonne überwölbt), dürfte noch auf die genannte ältere Phase (17./18. Jh.) zurückgehen, während Erdgeschoß und Dachwerk im frühen / mittleren 19. Jahrhundert erneuert bzw. neu errichtet worden sind. Genauere Datierungsmerkmale lassen sich aus dem Gebäudeinneren nicht mehr gewinnen, da die heutige Raumstruktur des Erdgeschosses (mit neu eingebrachtem Decken-Unterzug zur Verbindung von Hauptraum und Nebenzimmer) durch einen Gaststätten-Umbau der 1940er Jahre entstand und das Dachgeschoß in der Folge als Pächterwohnung ausgebaut wurde.

 

Trotz der im Inneren reduzierten Substanz prägt das Gebäude noch immer die historische Ortsgestalt. Aufgrund der vom 17. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts reichenden Tradition als Baderanwesen ist es zugleich ein Dokument der Ortsgeschichte: Zusammen mit den Schmieden, Mühlen und Tavernen gehörten auch die Badstuben zum Grundeigentum des Landesherrn, der auch über die personelle Besetzung verfügte. Da das „Paderhandwerk“ sich im 17./18. Jahrhundert auch auf die niedere Heilkunde und auf „chirurgische Verrichtungen“ erstreckte, ist mit dem Gebäude ein Element der historischen Dorfausstattung (als eine frühe Form von öffentlicher Gesundheitspflege) anschaulich geblieben.

 

Aufgrund der genannten Faktoren ist dem Anwesen Berchtesgadener Straße 16 nach wie vor Denkmalcharakter gemäß Art. 1 DSchG zuzumessen, eine Streichung des bisherigen Listeneintrags ist folglich nicht gerechtfertigt.

 

 

Alternative Generalsanierung zum Wohnhaus

 

Das prachtvolle Gebäude als Neuwirt in den 1990er Jahren

 

 

 

 

 

Das prachtvolle Gebäude als Neuwirt in den 1990er Jahren

 

 

 

Das Gebäude im Jahre 2007, vor der Generalsarnierung

 

 

 

 

 

Das Gebäude im Jahre 2007, vor der Generalsanierung

 

 

 

 

 

 

 

Ende 2007 verkaufte Wieninger den „Neuwirt“ an Familie Schweikart. Das mittlerweile sehr altersschwache Haus wurde allein in Eigenhand saniert, und wurde nach 10 Jahre langen Leerstand feierlich im Herbst 2009 bezogen.

Seither Eigenheim der Familie Schweikart.

 

Wir kauften das historische Gebäude und steckten viel Eigenarbeit in unsere Lebensaufgabe. Nicht nur, dass das Gebäude mitunter noch lange der Bank gehören wird, sondern auch bis zur endgültigen Fertigstellung werden noch mindestens über 10 Jahre vergehen.

 

Mit etwas Esoterik zum Ziel

 

Wahrscheinlich war es sogar Bestimmung, dass wir auf unser Häuschen gekommen sind.

Am Pidinger Mittelaltermarkt am Schloß Staufeneck wirkte vor einigen Jahren die Pidinger Theatergruppe mit.

Sie spielte ein Stück von mittelalterlicher Geschichte des (Land-)Kreises.

Ich spielte rein zufällig den "Dominicus Renner".

Adam Renner hatte im Pidinger Ehepad das „Paderhandwerk“ inne, und scheint es verstanden zu haben. Der schreckliche „Zauberprozeß“, in dem sein 18 jähriger Bruder "Dominicus" verwickelt, nach unsagbarer „peinlicher Tortur“ angeklagt und am 30. April 1678 hingerichtet wurde, hatte offensichtlich dem „Padereibetrieb“ nicht geschadet........ (S. Buch Schloß Staufeneck S. 155 f)

Des Weiteren hatten wir am 26.09.2009 unsere kirchliche Hochzeitszeremonie, und wir wurden unter feierlichen Klängen der Musikkapelle in unser Eigenheim nachhause gespielt, wo wir frisch eingezogen sind.

Erst ein paar Monate später fanden wir heraus, dass der 26.09. auch als Gedenktag der Schutzpatrone "Cosmas und Damian", Patrone der Bader, Apotheker, Ammen und Ärzte gefeiert wird. (siehe unter Badehaus, weiter oben erklärt)

Meine Frau ist in der Apotheke tätig, auch ein von Cosmas und Damian beschützender Beruf.

Und zu guter Letzt arbeite ich im Rettungsdienst. Dieser entstand aus dem Sanitätswesen, eine Berufsart die aus dem Baderhandwerk folgte.

Diese Tatsachen sind eventuelle Vorbestimmungen, andernfalls reine Zufälle? So oder so sind es sehr angenehme wissenswerte Gegebenheiten die wir keinesfalls missen möchten.

 

Mittlerweile sind wir eine große Familie und unser liebgewonnenes Häuschen wird seither ganz schön beansprucht.

 

 

 

Das Gebäude im Jahre 2014, nach der Sanierung (aber immer noch nicht komplett fertig)

Das Gebäude im Jahre 2014, nach der Sanierung (aber immer noch nicht komplett fertig)